Ein stiller Übergang zwischen Loslassen, Erinnerung und dem Licht, das in uns weiterleuchtet

Es gibt Tage im Jahr, die sich nicht einfach wie ein weiterer Tag anfühlen. Sie sind wie Türen.
Die Herbsttagundnachtgleiche ist eine solche Tür.
Für einen Augenblick begegnen sich Licht und Dunkelheit fast auf Augenhöhe. Der Sommer ist noch nicht ganz gegangen, der Winter noch weit genug entfernt. Und dazwischen liegt dieser besondere Raum, den man nicht greifen kann und vielleicht gerade deshalb so deutlich fühlen kann.
Eine Schwelle.
Hinter uns liegt die Zeit des äußeren Lichtes. Die langen Tage. Wärme auf der Haut. Begegnungen, Bewegung, vielleicht Reisen, Feste, Spaziergänge, Stimmen unter freiem Himmel.
Und nun beginnt etwas, sich zu verändern.
Die Bäume wissen es längst.
Noch tragen manche ihre Blätter, doch ihre Farben wandeln sich bereits. Bald wird ein Wind kommen und mitnehmen, was seinen Platz am Baum erfüllt hat.
Nicht aus Verlust.
Nicht weil etwas falsch geworden ist.
Sondern weil ein anderer Rhythmus beginnt.
Vielleicht liegt darin eines der stillen Geheimnisse dieser Jahreszeit.
Loslassen bedeutet nicht immer, etwas zu verlieren.
Manches hat uns begleitet, weil wir es brauchten. Eine Erfahrung. Eine Überzeugung. Ein Wunsch. Ein Schmerz. Vielleicht sogar eine Vorstellung davon, wer wir sein sollten.
Und irgendwann beginnt etwas in uns zu wissen:
Es ist genug.
Das Blatt darf fallen.
Wir müssen es nicht vom Ast reißen.
Vielleicht müssen wir noch nicht einmal wissen, wohin der Wind es tragen wird.
Es genügt manchmal, die Hand zu öffnen.
Denn während im Außen das Licht langsam abnimmt, geschieht etwas Merkwürdiges:
Ein anderes Licht wird wahrnehmbarer.
Das innere.
Es war die ganze Zeit da.
Nur war draußen so viel zu sehen.
Jetzt werden die Abende länger. Türen schließen sich früher. Kerzen werden angezündet. Geräusche verändern sich. Das Leben beginnt, sich ein wenig nach innen zu wenden.
Und vielleicht folgen unsere Sinne dieser Bewegung.
Plötzlich werden Fragen hörbar, die im Sommer zwischen all den Stimmen untergegangen sind.
Eine Sehnsucht.
Eine Erinnerung.
Ein leises Wissen.
Vielleicht auch etwas, das lange darauf gewartet hat, von uns gesehen zu werden.
Nicht alles davon braucht sofort eine Antwort.
Manches möchte einfach nur wieder in unserer Nähe sein.
Die Herbsttagundnachtgleiche trägt für mich deshalb etwas ungemein Kostbares.
Sie fordert nichts.
Sie sagt nicht: Du musst jetzt dieses oder jenes verändern.
Sie öffnet einen Raum.
Einen Raum zwischen dem, was war, und dem, was noch nicht sichtbar geworden ist.
Zwischen Ausatmen und Einatmen.
Zwischen zwei Gedanken.
Zwischen zwei Geschichten unseres Lebens.
Und vielleicht können wir gerade dort für einen Moment aufhören, uns selbst festzuhalten.
Vielleicht dürfen wir spüren, dass wir größer sind als das, was wir bisher über uns erzählt haben.
Dass das Licht des Sommers nicht verloren geht, nur weil die Tage dunkler werden.
Wir nehmen es mit.
Als Wärme.
Als Erfahrung.
Als Erinnerung.
Als Kraft.
Und während draußen langsam die Blätter fallen, kann etwas in uns freier werden.
Vielleicht beginnt genau dort eine andere Art des Hörens.
Ein stilleres Hören.
Auf die eigene Seele.
Auf das Leben.
Auf jene tiefe schöpferische Kraft, die Namen haben darf – Gott, Schöpfer, Schöpferin, Quelle – und die zugleich weit über jeden Namen hinausreicht.
Heute dürfen wir für einen Augenblick auf dieser Schwelle stehen.
Nicht zurück.
Noch nicht weiter.
Einfach hier.
Und vielleicht entdecken wir, dass dieser Zwischenraum gar nicht leer ist.
Vielleicht ist er erfüllt.
Von Erinnerung.
Von Licht.
Von etwas Neuem, das noch keinen Namen braucht.
Zu dieser besonderen Zeit habe ich einen Online-Abend zur Herbsttagundnachtgleiche gehalten – einen Raum zum Wahrnehmen, Loslassen, Erinnern und bewussten Überschreiten dieser Schwelle.
Die Aufzeichnung ist auch nachträglich für 18 Euro erhältlich.
Wenn du spürst, dass du diesen Raum für dich erleben möchtest, schreib mir einfach eine Mail.
Copyright: © Blandina Aurelia Gellrich
Der Text darf gerne vervielfältigt und verbreitet werden, sofern der Inhalt nicht bearbeitet oder verändert wird und ein Quellverweis mit Link zur Webseite vorhanden ist. www.licht-der-seele.net