Eine Erinnerung an die Freiheit, die bereits in dir lebt

Viele Menschen suchen heute nach Freiheit.


Frei sein scheint fast zu einem Trend geworden zu sein. Frei von Einschränkungen. Frei von Regeln. Frei von Erwartungen. Frei von äußeren Zwängen.


Doch die Suche nach Freiheit ist nicht neu.


Schon in den alten Mysterienschulen suchten Menschen nach Freiheit. Allerdings nicht in erster Linie die Freiheit von äußeren Umständen. Sie suchten die Freiheit von etwas, das sie als viel grundlegender erkannten: die Freiheit von den Fesseln des eigenen Ichs.


Dieses Ich war aus ihrer Sicht keine feste Wirklichkeit, sondern eine Form, die sich aus Erfahrungen, Prägungen, Bewertungen, Glaubenssätzen und übernommenen Sichtweisen zusammensetzt. Schritt für Schritt wurden die Schüler zur Selbsterkenntnis geführt. Nicht, indem sie gegen das Ich kämpften, sondern indem sie lernten, es zu durchschauen.


Heute suchen viele Menschen Freiheit an anderen Orten.


Sie fühlen sich gefangen durch Lebensumstände, politische Systeme, Krankheiten, die Sichtweisen anderer Menschen, gesellschaftliche Regeln, Geldmangel oder einen empfundenen Mangel im Allgemeinen. Manchmal werden sogar Gott oder geistige Wesen für die eigene Unfreiheit verantwortlich gemacht.


Doch was wäre, wenn Freiheit weder in den äußeren Umständen noch in deren Veränderung beginnt?


Was wäre, wenn die eigentlichen Fesseln viel näher sind?


So nah, dass wir sie oft gar nicht mehr bemerken.


Vielleicht beginnt Freiheit nicht damit, die Welt zu verändern.


Vielleicht beginnt sie damit, die inneren Rollen, Überzeugungen und Identitäten zu erkennen, durch die wir die Welt betrachten.


Erst wenn wir sie erkennen, können wir ihnen mit Bewusstheit begegnen.


Erst wenn wir ihnen mit Bewusstheit begegnen, können wir sie annehmen.


Und erst dann entsteht die Möglichkeit, sie loszulassen.


Nicht durch Kampf.

Nicht durch Verdrängung.

Sondern durch Erinnerung.


Vielleicht beginnt Freiheit nicht damit, die Welt zu verändern.


Vielleicht beginnt sie damit, die inneren Rollen, Überzeugungen und Identitäten zu erkennen, durch die wir die Welt betrachten.


Doch wie entstehen diese überhaupt?


Schon als Kinder lernen wir, uns anzupassen. Wir lernen, welche Verhaltensweisen erwünscht sind und welche nicht. Wir entwickeln Strategien, um geliebt zu werden, Anerkennung zu erhalten, Konflikte zu vermeiden oder uns zu schützen.


So entstehen nach und nach Rollen.


Manchmal tragen wir sie bewusst. Oft tragen wir sie unbewusst.


Wir setzen Masken auf und vergessen irgendwann, dass es Masken sind.


Und so geschieht etwas Merkwürdiges:

Das Spiel wird immer echter – und die Wirklichkeit immer unechter.


Unsere Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend nach außen und immer weniger nach innen. Über viele Generationen hinweg waren Menschen mit Überleben, Anpassung, Leistung und Absicherung beschäftigt. Das ist verständlich und zutiefst menschlich.


Heute spüren viele, dass etwas nicht mehr stimmt.


Sie suchen nach einem Ausstieg aus der Matrix, aus dem Spiel, aus der Illusion.


Doch dabei lässt sich nicht tricksen.


Es gibt keine Abkürzung.


Die Illusion löst sich nicht auf, weil wir sie benennen.


Sie löst sich nicht auf, weil wir ein neues Konzept darüber lernen.


Und sie löst sich auch nicht auf, weil wir die richtigen spirituellen Worte verwenden.


Sie beginnt sich aufzulösen, wenn wir sie wirklich erkennen.


Nicht mit dem Verstand allein.

Sondern in einem tieferen Sinn.


In dem Moment, in dem wir sehen, was wir zuvor für uns selbst gehalten haben.


Oft genügt dieses Erkennen bereits.


Denn was erkannt wurde, verliert nach und nach die Macht, unbewusst über uns zu bestimmen.

Dieses Erkennen führt oft zu Momenten des Erwachens.


Plötzlich sehen wir die Welt anders.


Wir hören dieselben Worte wie zuvor und verstehen doch etwas völlig anderes. Wir betrachten dieselben Situationen und nehmen sie auf eine neue Weise wahr. Dinge, die uns früher selbstverständlich erschienen, verlieren ihre Bedeutung. Andere Dinge beginnen zu leuchten, obwohl wir sie zuvor kaum beachtet haben.


Dann folgt eine Zeit der Integration.


Und irgendwann werden weitere Illusionen erkannt.


Wieder verändert sich die Wahrnehmung.


Wieder öffnet sich eine neue Sicht auf das Leben.


Auf diesem Weg kann sich vieles verändern. Manche Freundschaften lösen sich auf, weil die gemeinsamen Themen nicht mehr vorhanden sind. Gewohnheiten verlieren ihre Anziehungskraft. Interessen verschwinden. Neue entstehen.


Mitunter entsteht sogar eine Zeit der Leere.


Von außen betrachtet könnte sie wie ein Mangel erscheinen.


Doch für mich ist sie überhaupt kein Mangel.


Es ist ein Raum zwischen den Welten.


Ein Raum, in dem sich Identitäten, Bedeutungen und Interpretationen auflösen. Für einen Moment wissen wir nicht mehr genau, wer wir sind. Doch gerade darin liegt eine große Freiheit.


Für mich fühlt sich diese Leere oft angenehm an.


Still.

Weit.

Unaufgeregt.


In solchen Momenten verschwindet auch die Überforderung. Dinge werden getan, weil sie getan werden möchten. Ein Schritt folgt dem nächsten. Nicht aus Zwang, sondern aus Natürlichkeit.


Man könnte diesen Zustand Präsenz nennen.


Wenn diese Präsenz stärker wird, wachsen auch innere Ruhe und Vertrauen.


Das Leben beginnt sich zu bewegen, während wir schauen, lauschen und dem folgen, was uns ruft.


Immer mehr fügt sich auf natürliche Weise zusammen.


Der innere Kampf wird leiser.


Die Frage, wie man etwas manifestieren sollte, verliert an Bedeutung.


Die Sorge, welche Worte man verwenden oder vermeiden müsste, verschwindet.


Auch die ständige Suche nach der perfekten Methode, der richtigen Technik oder der optimalen Meditationsdauer tritt in den Hintergrund.


Etwas anderes tritt an ihre Stelle:


Eine stille Gewissheit.

Das Leben weiß längst, wie es fließen möchte.


Mit der Zeit bahnen sich Dankbarkeit, Freude und eine tiefe Liebe ihren Weg aus dem Inneren nach außen.


Nicht als etwas, das wir erzeugen müssten.

Nicht als etwas, das wir lernen oder erreichen müssten.


Sondern als etwas, das bereits in uns vorhanden war und nun wieder sichtbar wird.


Aus dieser inneren Bewegung erwächst Neues.


Neue Ideen.

Neue Wege.

Neue Begegnungen.

Neue Möglichkeiten.


Das Leben beginnt, sich von innen heraus zu entfalten.


Erinnerungen öffnen sich.


Manchmal erinnern wir uns an Fähigkeiten, die wir lange vergessen glaubten. Manchmal an eine innere Stärke. Manchmal an eine tiefe Verbundenheit mit dem Leben selbst.


Mitunter verändern sich sogar körperliche Zustände, weil sich die Muster im Inneren verändern. Die Ausstrahlung verändert sich. Das Gesicht wird weicher. Die Augen beginnen anders zu leuchten.


Nicht weil wir etwas hinzugefügt haben.

Sondern weil etwas wegfällt, das nicht zu unserem eigentlichen Wesen gehörte.


Vielleicht ist das die tiefste Form von Freiheit.


Nicht die Freiheit, alles tun zu können.


Sondern die Freiheit, immer mehr zu dem zu werden, was wir in Wahrheit bereits sind.


Aus diesem Thema heraus ist auch mein neuer Online-Abend entstanden:


Vom Rollenspiel zur Erinnerung

Ein Abend über die Rollen von Opfer, Retter und Täter, über innere Freiheit, Bewusstwerdung und die Erinnerung an das eigene Wesen.

Vielleicht ruft er dich.

Vielleicht genügt es auch, wenn dieser Beitrag heute einen kleinen Erinnerungsfunken in dir berührt hat.

Beides ist vollkommen in Ordnung.

Denn jede Erinnerung beginnt mit einem einzigen Moment des Erkennens.


Copyright: © Blandina Aurelia Gellrich

 

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